Kulturpreis 2017
TEXT: MARTIN GRASSL; BILDER: SIMON STÄHLI
Die Kulturpreisverleihung wurde mit einem Stück der Berner Singer-Songwriterin Pamela Méndez eröffnet. Der Burgergemeindepräsident Rolf Dähler würdigte das grosse Engagement und die Hartnäckigkeit, mit denen Marthe Gosteli ihr Archiv auf- und ausbaute. Die Stellung der Frau in der Gesellschaft sei ein gesellschaftspolitisches Thema ersten Ranges, da es doch rund die Hälfte unserer Landesbevölkerung betreffe. Um so wichtiger sei es, dass dieses geschichtliche Gedächtnis gepflegt werde – unabhängig von Parteipolitik und Religionszugehörigkeit. Auch Kulturkommissionspräsidentin Françoise Marcuard-Hammer gab in ihrem Votum ihrer Freude über die glückliche Wahl Ausdruck. Weil gerade der Weg zum Frauenstimmrecht in der Schweiz – Stiftungsgründerin Marthe Gosteli kämpfte damals an vorderster Front – lange dauerte und einem Balanceakt gleichkam, war der folgende Auftritt passend. Marula Rigolo begeisterte mit einer atemberaubenden Balance-Darbietung, während der sie ein schwebendes Saurierskelett aus Palmrippen zusammenfügte. Danach hielt Flavia Kleiner von der Operation Libero eine ergreifende Laudatio zum Wirken der Stiftung und ihrer Gründerin Marthe Gosteli. Hätte es keine Marthe Gosteli gegeben, würde sie selber heute nicht auf dieser Bühne stehen, meinte – eine sichtlich bewegte – Kleiner abschliessend. Zum Schluss der von der Bielerin Nadja Schnetzler moderierten Preisverleihung bedankte sich der Stiftungspräsident Peter Martig für das Engagement der Burgergemeinde Bern und erwähnte, wie sehr der Preis der Stiftung in ihrer finanziellen Situation gelegen komme. Das ausgelöste mediale Echo habe bewirkt, dass die Wichtigkeit des Überlebens der Stiftung auf die kantonale und nationale politische Agenda gerückt sei.
Die Gosteli-Stiftung
Seit 35 Jahren setzt sich die Gosteli-Stiftung für die ideologiefreie Aufarbeitung der Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung ein. Die Stiftung ist Aufbewahrungsort für über 400 Bestände von Frauenrechtsorganisationen, Frauenverbänden und einzelnen Frauen, die in Politik, Wirtschaft, Bildung, Kultur, Gesellschaft und Familie eine wichtige Rolle gespielt haben. Die Gosteli-Stiftung gibt den vielen vergessenen Frauen ein Gesicht, hält die Erinnerungen an ihr Tun lebendig und verankert dieses Bewusstsein in der Öffentlichkeit.
Patinnen und Paten gesucht
Wer das Andenken an die vielen Frauen, die Grossartiges geleistet haben, für nachfolgende Generationen erhalten möchte, kann die Gosteli-Stiftung mit einer Patenschaft unterstützen. So kann symbolisch ein Jahr lang die Konservierung des Dokumenten-Bestandes einer Frau unterstützt werden. Je nach Umfang der Archivmaterialien variieren die Patenschaftsbeträge von 100 bis 2000 Franken. Schon für 50 Franken jährlich können Patenschaften für ein beliebiges Dossier aus der Sammlung mit biografischen Notizen übernommen werden.